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"Denim hat gerne Gesellschaft"

Wir kennen es alle. Jeder hat seine Lieblingsjeans. Eigentlich ist es nur "die eine", vielleicht zwei oder drei. Aber mal ehrlich- mehr bräuchten wir nicht, oder? Zählt mal die Jeans in Eurem Schrank, die immer wieder das Schrankaufräumszenario gewonnen haben und noch ein Jahr Gnadenfrist bekommen, weil irgendwann paßt sie bestimmt wieder, der Schnitt kommt auch zurück und außerdem hängen daran Erinnerungen. Die Wahrheit ist: WEG DAMIT!

„Wir tragen durchschnittlich zwei-bis drei Jeans, besitzen durchschnittlich aber ca.10-15 Exemplare. Conny, Co-founderin von Bridge&Tunnel hat ja so recht. Deshalb wird unseren Ex-Jeans bei Bridge&Tunnel neues Leben eingehaucht. Wir bringen unsere aussortierten Modelle in ihr neues Zuhause und treffen die beiden Gründerinnen Constanze Klotz und Hanna Charlotte Erhorn, die das Hamburger Social Design Label Bridge&Tunnel zusammen gegründet haben. Was dabei herauskommt, wenn zwei kreative, visionäre und sympathische Frauen eine Leidenschaft teilen, siehst Du im Stoffdeck, ein textiler Co-Working-Space mit Siebdruckwerkstatt und Näharbeitsplätzen in Wilhelmsburg. Bridge & Tunnel vereint hochwertiges Design, Handwerk und gesellschaftlich benachteiligte Menschen. Die Fertigung ist lokal und fair und entsteht aus post-consumer waste. Jedes Produkt ist ein Unikat. Dort finden Menschen einen Arbeitsplatz, die lange Zeit keinen Job finden konnten oder geflüchtet sind.

Lotte:„Leider geben die Menschen lieber 299,- Euro für einen billig produzierten Leder Weekender made in China aus, als für unseren Weekender ENIM, dabei ist der qualitativ hochwertiger und fair produziert, ist aber eben „nur Denim“. Die Leute fragen sich, warum sie dafür einen ähnlichen Preis zahlen sollen. Da muss ein Umdenken stattfinden. Handarbeit hat ihren Preis und wir rufen längst nicht die Preise auf, die wir haben müssten.

Warum Denim? Lotte: Wir gehören ja im weitesten Sinn zum Träger Passage, der seit vielen Jahren Langzeitarbeitslose in Arbeit bringt, und u.a. eine Kleiderkammer betreibt. Die Mitarbeiter dort sammeln Kleidung ein und verteilen es an Bedürftige. Wir haben immer schon Materialkooperationen mit der Kleiderkammer gemacht. Als dann die Nachfrage nach upcycling workshops stieg, haben wir das einfach mal mit Jeans gemacht, weil so viele Jeans da waren. Ich habe mir dann einfach mal eine ganz tolle Denimtasche genäht.

Conny: Und weil ja auch jeder das Material zuhause hat. Fast jeder (zumindest die Frauen) hat viel zu viele Jeans.

Lotte: Ja aber wir haben alle nur einen Po, oder? Das merkt man auch an den Abgabestellen. Die ersticken in Jeans. Das passte also alles zusammen. So eine tolle Tasche und haufenweise Jeans. Nach der Tasche haben uns Leute auf der Straße angesprochen. Die Designerin aus dem Kurs haben wir dann für unsere 1. Kollektion verpflichtet. Wir haben aber gemerkt, dass wir Design und Produktion noch enger zusammen denken müssen.

Conny: Uns wurde klar, das Lotte die Entwürfe machen muss. Wir entwickeln die Idee in dieser engen Verflechtung einfach am besten weiter. Wir haben schnell gemerkt, daß wir etwas besonderes mit den Jeans entwerfen müssen. Wenn es zu gewöhnlich ist dann gibt es weniger Grund sich richtig in das Teil zu verknallen. Nur wieder ein Beutel, da flippst Du ja nicht aus und musst den unbedingt haben.

Lotte: Oder Patchwork- Das kennen wir doch von Zuhause. Wir wollen nicht einfach nur viele Flicken zusammen, sondern mal ein anderes Patchwork Muster oder Materialkombinationen.

Conny: Wir finden Materialkombis stehen Denim total gut. Denim mag Gesellschaft mit Leder oder Knallfarben. Denim ist nicht so gern alleine. Das Indigo leuchtet ganz anders wenn Du es in einen Kontrast bringst. Wir arbeiten aktuell mit vielen Highlights über Materialkombinationen oder eben Knallfarben und das ist so schön und gefällt uns richtig gut. Die Hamburger Designerin Alesya Orlova hat uns z.B. kürzlich ihre Lederreste zu einem Superpreis zur Verfügung gestellt. Daraus entsteht gerade eine wunderschöne Denimclutch mit Leder.

Was geht richtig gut, was kommt Neues? Der Rucksack ist momentan das beliebteste Produkt und alles in schwarz ist sofort ausverkauft. Wenn ihr alte, zu kleine, schwarze Jeans habt- gebt sie gern bei uns ab oder schickt sie uns. Für die Festivalsaison haben wir eine Festivalbag, eine Clutch und eine Hipbag und wir hoffen auch, dass die Pullover aus unserer neuen Kollektion gut angenommen werden. Wir haben nämlich jetzt erste Fashion Teile produziert, die ab Anfang März im Shop zu kaufen sein werden und sind total aufgeregt. U.a. zwei verschiedene Sweater und ein Kleid.

Wie viele Menschen arbeiten für Euch? Festangestellt haben wir bald sechs. Wir versuchen gerade Sayed, einen tollen Näher aus Afghanistan, der grad ein Praktikum bei uns gemacht hat, einzustellen, er hat nur eine Aufenthaltsgestattung. Diese Geflüchteten dürfen nur mit Zustimmung der Ausländerbehörde arbeiten. Das kann ewig dauern und ist kompliziert. Ich habe mich wochenlang in das Thema eingearbeitet. Wenn alles klappt, fängt er zum 1. März bei uns an. Er lebt hier mit Frau und Kindern und es wäre so toll wenn das klappt. Er ist so wahnsinnig gut und hat viele Jahre Arbeitserfahrung.

Wie kommen die Menschen denn zu Euch? Conny: Wir haben letztes Jahr ein großes Casting gemacht. Ich habe viele Initiativen und Organisationen angeschrieben, die mit Geflüchteten arbeiten und habe sie informiert, dass wir Praktikumsplätze vergeben möchten. Wir hatten dafür in einem Wettbewerb Geld gewonnen.40 Menschen haben sich gemeldet. Wir haben tagelang telefoniert, Erstberatung gemacht. Viele fanden nähen auch einfach nur schön, oder konnten nur per Hand nähen, das ging dann leider nicht.

Lotte: Oder sie hatten nicht genug Spracherfahrung. Wir sind klein und müssen einen gewissen Produktionsumfang sicherstellen. Da mussten wir ein paar Kriterien vorgeben. Wir wollen ganz viel geben aber es muss zusammen passen. Dann gab es ein  Probenähen mit 25 Leuten von den 40. Alle haben die gleiche Tasche genäht. Wir haben geguckt, wie alle zusammen passen und mitspielen. Wenn sich die Männer z.B. schwer taten Anweisungen von den Anleiterinnen anzunehmen, weil sie eine Frau ist, dann passt das nicht zu uns. Wir begegnen uns hier auf Augenhöhe, aber alle müssen mitspielen und wie wir alle, das Unternehmen leben. Hier sind die Frauen die Chefs. Wir wollten vier Praktikanten und haben dann 8 genommen. Sayed ist der erste Mann. Unser Team ist so wunderbar. Wir sind jetzt insgesamt 11 Leute! Die Frauen und Männer haben eine tolle Ausbildung, viel Praxis und sind so angenehme Menschen.

Was denkt ihr rückblickend über eure letzten Monate? Conny: Uns gibt es jetzt 8 Monate. Ca. 2 Jahre Vorbereitung haben wir gebraucht, in denen wir z.B. Geld durch Fundraising eingeworben haben. Ich habe noch nie vorher Fundraising gemacht und konnte es selbst nicht glauben, dass es funktioniert. Aber weil wir so angezündet sind von unserem Projekt und unserer Idee und schon was vorzeigen konnten, konnten wir die Begeisterung schnell übertragen. Wir hatten auch das Glück so tolle Leute zu treffen. Dann haben wir noch einen Wettbewerb gewonnen. Um Drittmittel kümmern wir uns auch stetig weiter, denn mit einem 8 köpfigen Team ist das Geld schnell ausgegeben.

Habt ihr immer an Euren Erfolg geglaubt? Wie schafft ihr das, Euch zu motivieren? Lotte: Wir mussten es ja irgendwie. An den Erfolg glauben. Wir denken aber nicht gern so weit. Wir denken daran wie es sein soll und dann sagen wir uns: Wir schaffen das! Wenn wir Probleme haben, stellen wir uns den als Knoten vor und sagen immer: Morgen platzt er. Morgen platzt er aber wirklich. Dann passt es wieder.

Conny: Es ist so gut, wenn man zu zweit ist. Manchmal haben wir schon unterschiedliche Meinungen aber das ist immer inspirierend und führt zu einem guten Ergebnis. Gemacht wird nur, was beide vertreten. Und wir haben gelernt unseren Ideen treu zu bleiben. Wir machen das so, wie wir wollen und richten uns nicht mehr nach anderen. Man muss sich gut aushalten können zu zweit und ich halte Lotte so wunderbar gut aus: Lotte: ich halte dich auch gut aus Conny. Und trotzdem ist es gut mal unterschiedlicher Meinung zu sein und Dinge zu diskutieren. Wäre ja doof wenn einer immer nur sagen würde: ja alles schön. Da fehlen dann ja die wichtigen Reibungspunkte.

Wir müssen uns alle mehr unterstützen! Lotte:Ja, das muss man auch lernen, dass man sich gegenseitig unterstützt und andere Sachen toll findet und nicht gleich neidisch ist. Früher war das wohl nicht so üblich das zu lernen, oder woher kommt das? Wir lernen jetzt, dass es eine Szene gibt, die sich unterstützt. So besonders sind die Leute z.B. in Hamburg. Da gibt es Pola von der Kleiderei und Melodie Michelberger und Tijen und ihr Netzwerk. Diese Frauen und noch viele andere gönnen sich gegenseitig etwas und haben auch Bock was zusammen zu machen. Leute unterstützt euch doch gegenseitig. Ihr gewinnt eher als das Euch jemand was wegnimmt. 

Conny: Das ist ja auch die Idee vom Stoffdeck. Man hat ein gemeinsames Interesse und eine Werkstatt, in der alle nähen können wenn sie wollen. Da geht es darum gemeinsam mehr zu machen und sich nicht gegenseitig was wegzunehmen. Oder wie im stillen Kämmerlein, wo man sich wünscht, dass ja alle die gleichen Fehler machen. Das muss doch nicht sein. Da hat doch keiner was von.

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