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Lena Scherer // Fashion Photographer // Hamburg

Liebe Lena, erzähl uns bitte von Deiner Reise in Amerika- Du bist die Panamerikana Tour von Alaska nach Peru in einem Bus gefahren? Ja, stimmt. Mein damaliger Freund hatte diese Idee, die Strecke von Alaska nach Feuerland mit dem Motorrad zurück zulegen. Ich hatte eigentlich Südafrika auf dem Plan, aber nachdem ich generell wahnsinnig gern reise, habe ich mich angeschlossen. Bloß 38.000 km mit dem Motorrad zurückzulegen, machte mir Sorgen. So haben wir uns dann für den T3 entschieden. Ein kleines, mechanisches Zuhause auf Rädern. Die Reise war die beste Entscheidung! Wir haben wahnsinnig viel erlebt, tolle Orte gesehen und beeindruckende Menschen kennen gelernt. Und vor allem viel über uns selbst. Du gehst immer und immer wieder über deine Grenzen und lernst dich neu kennen. Was viele jedoch unterschätzen, ist die wenige Freizeit. Sie denken Du schaust Dir nur schöne Plätze an und liegst am Strand. Aber Du bist jeden Tag mit existenziellen Fragen beschäftigt: Welche Strecke müssen wir heute zurück legen? Wo wasche ich mich? Wo schlafe ich sicher? Wo bekomme ich Lebensmittel her? Was ist mit dem Bus? Das kostet viel Zeit und Du musst unentwegt Entscheidungen treffen. Weniger romantisch, als man es sich vorstellt. Zusätzlich verbringst du 24/7 miteinander, hast wenig Möglichkeiten dich aus dem Reisealltag kurz zurückzuziehen. Trotz eines Reiseblogs, mit dem ich versucht habe zu verarbeiten, war ich nach knapp 10 Monaten randvoll mit Eindrücken, hatte Schwierigkeiten Neues aufzunehmen. Daraufhin habe ich dann die wohl schwerste Entscheidung der Reise gefällt - und bin vorzeitig nach Deutschland zurück gegangen.

Planst Du deswegen Deine Shootings auch gern quer durchs Land, um unterwegs sein zu können? Das ergibt sich einfach. Wobei ich mich schon sehr lebendig und wohl fühle, wenn ich unterwegs bin. Ich organisiere mich gerade so, dass ich in Berlin, München und Hamburg arbeite. Wobei Hamburg derzeit meine Wahlheimat ist.

Wusstest du schon immer, dass Du Fotografin werden wolltest. Wann war DER Moment? Ziemlich früh, mit 17. In unserer Familie ist Kreatitvität, und Kunst immer ein Thema gewesen. Meine Eltern kommen aus der Welt der Werbung. Ich habe ein gutes Gefühl für Farben und ein Auge für schöne Dinge. Etwas zu gestalten erfüllt mich. Ich habe mit 12 das erste Mal mit meiner Mutter analog fotografiert. In der Pubertät habe ich es dann schleifen lassen. Aber mit 17 bekam ich eine digitale Kamera in die Hand gedrückt – da war dieses Gefühl sofort wieder da und klar, dass ich das machen möchte. Ich bin dann in den Schulferien zu Fotografen gegangen und habe Praktika gemacht. Klar hat man bedenken, ob und wie damit Geld zu verdienen ist. Meine Familie hat mich aber darin bestärkt und nach kurzem Abwägen, habe ich nach dem Abitur dann losgelegt.

Du hast eine Ausbildung gemacht? Genau, bei einem der besten Lifestylefotografen Bayerns. Da hatte ich wahnsinniges Glück. Es gibt nicht so viele Optionen, eine wirklich gute Ausbildung zu machen. Du kannst zur Uni gehen – Theorie ist aber nicht so meins,(lacht). Oder im Passbildstudio lernen. Wenn du aber relativ klar weißt, dass du irgendwann selbstständige kommerzielle Fotografin werden willst, ist das vielleicht nicht das geeignete Sprungbrett. Die Ausbildung war eine tolle Zeit, wir waren oft ein Zweier-Team, mein Ausbilder war mein Mentor und ich durfte viel machen. Perfekt, um zu lernen. Nach der Ausbildung bin ich für drei Monate nach New York, um zu assistieren. Ich hatte mich für die Schwerpunkte Fashion und Portrait entschieden.

Was kam dann? Ich habe mich direkt selbstständig gemacht.

Wann war denn der Moment wo Du gemerkt hast warum Du das machst? Als ich merkte, wie viel Freude ich daran habe etwas Schönes zu gestalten. Das ist der Kern der Sache. Die Kamera ist das Mittel, mit dem ich mich am Besten ausdrücken kann. Auch wenn ich Modefotografin bin, geht es bei mir nicht ausschließlich um Klamotte. Ehrlich gesagt, kenne ich mich damit auch gar nicht so gut aus. Für mich ist es mehr, den Menschen, den die Kleidung schmückt und hervorhebt ansprechend darzustellen. 

Findest Du das gehört zusammen? Nein, nicht zwangsweise. Wichtig ist die Wertschätzung für die Person, die darin steckt und ein Gespür dafür, wie etwas gut aussieht. Wie kann ich es so konzipieren, dass es harmoniert und beim Betrachter ein Gefühl auslöst. Das ist jedes Mal die Herausforderung. Und wenn du Glück hast, hast du eine tolle Stylistin, die sich richtig auskennt.

Was machst Du, damit sich die Leute wohlfühlen wenn sie von Dir fotografiert werden? Ich rede fürchterlich viel dummes Zeug. Meine Assistenten schütteln immer nur mit dem Kopf – aber es hilft. Die Hemmschwelle ist geringer, wenn sich die Person vor dir, einfach nicht so ernst nimmt.

Mit wem würdest Du denn gern mal zusammen arbeiten? Peter Lindbergh. Meine Ikone, ich liebe diesen Mann. Was ihn so ausmacht, ist die Gelassenheit und Konsequenz, nicht zu retuschieren. Er lässt die Frauen einfach pur und authentisch. Durch seinen Namen kann er sich dann vor den Kunden stellen und sagen: Entweder du willst es so haben, wie ich es mache - oder eben nicht. Das finde ich extrem beeindruckend.

In unserer Branche, wo es immer um noch dünner und noch perfekter geht, tut das gut. Wenn Du alles Einzigartige wegretuschierst, was bleibt dann noch? Es fehlt der Charakter.

Meinst Du da findet ein Umdenken statt? Ja, zum Glück! Und da ist auch mein Ansatz. Aus meiner Sicht, muss es wieder ehrlicher und langsamer werden. Lieber etwas weniger produzieren, dafür aber qualitativ hochwertig und mit Herzblut. Ein Projekt fängt bei mir mit Emotion an und hört beim Betrachter des Bildes mit Emotion auf. Das gelingt aber nur, wenn ich involviert bin. Ich möchte dabei sein, wenn das Konzept entsteht. Ich möchte mit entscheiden wie das Licht aussieht. Das geht nur mit einem tollen Team, wo sich alle auf einer Ebene bewegen und ein tolles Bild erschaffen wollen. Zusammen. Mit Zeit. Und was ist ein Gesicht, eine Strecke, eine Idee denn noch wert, wenn sie zwei Wochen später wieder in den tiefen des Cyberspace verschwindet?

Wen würdest Du gern fotografieren? Caroline de Maigret. Meine Stilikone- sie ist ein Charaktergesicht, so schön. Ein Strandspaziergang, mit natürlichem Licht, nah dran- das würde mir schon reichen.

Was langweilt Dich? Oberflächlichkeit im Allgemeinen, aber speziell auch in der Fashionbranche. Deswegen orientiere ich mich auch Richtung Slow- und Fair Fashion. Ich schließe die anderen Marken nicht aus, aber ich bewege mich mehr in die nachhaltige Richtung. Sich selbst einfach mal nicht so wichtig nehmen, denn alle zusammen machen ein besseres Bild als jeder für sich. Durch die Oberflächlichkeit verliert alles an Substanz und Leute beschäftigen sich immer weniger miteinander.

Warum ist das so? Was glaubst Du? Gute Frage, zum einen durch die Geschwindigkeit in unserer aller Leben und die Konkurrenz im Job. Du musst in der Masse auffallen und Dich behaupten. Wir hetzen viel zu sehr durch die Welt, versuchen dem inneren Vergleich stand zu halten und voran zu kommen. Schöner wäre es aber vielleicht doch, öfter im Jetzt zu sein und auf sich zu schauen. Was tue ich gerade? Und tue ich das ganz bewusst? Wann sitze ich denn mal mit einer Freundin zusammen, mit nur einem Glas Wein anstatt Handy in der Hand. Das mache ich auch viel zu wenig.

Was treibt Dich an? Neben Kreativität, Neugier und Toleranz – die Angst. Ich muss meine Komfortzone auch ab und zu verlassen. Wenn ich vor etwas Angst habe, versuche ich umso mehr, in die Situation hineinzugehen oder sie mir zumindest anzugucken. Ich will herausfinden und verstehen warum ich vor etwas Angst habe. 

Apropos Angst und Komfortzone, Du kanntest hier wirklich niemanden als Du nach Hamburg gezogen bist? Nein, nicht so wirklich. Zwei, drei Bekannte, aber kein berufsbedingtes Umfeld, keine Wohnung, keine Partner. Aber ich hatte einfach Bock in eine andere Stadt zu gehen Berlin war mir zu groß, Hamburg mochte ich schon immer und es ist die perfekte Mischung aus der Hauptstadt und München. Es ist viel besser gelaufen als ich dachte, soviel zum Thema Komfortzone. Ich saß da nach meiner langen Reise, völlig überfordert und verwirrt. Dann habe ich erst mal eine Zeit gebraucht um mich zu justieren und rauszufinden was ich will. Und das war Hamburg. Dann bin ich einfach los, was sollte schon passieren? Es gab da aber auch viele tolle Menschen, die mich an die Hand genommen haben und es mir leicht gemacht haben, hier anzukommen. Jetzt finde ich es großartig hier!

Wie würdest Du Deinen Style in Bezug auf Kleidung beschreiben? Casual, sportlich und vintage, ich trage viel Secondhand.

Wofür bist Du berühmt? Was denken Deine Freunde von Lena? Ich bin nicht gut in Selbstlob. Aber ich versuch’s mal. Ich bin sehr zuverlässig, empathisch und wohl berühmt –berüchtigt für meine Direktheit, die mir manchmal das Leben schwer macht.

Und wofür Berüchtigt? Mein Drang zur Kontrolle. Ich möchte alles im Griff haben. Meine Mutter sagt ich bin ein Regulativ, was für die Menschen um mich rum, wahrscheinlich nicht ganz einfach ist.

In was investierst Du lieber Equipment oder Klamotte? Mit meinem Equipment bin ich super minimalistisch. Da ich am liebsten mit dem Licht arbeite, das wir haben – Tageslicht – brauche ich auch nicht sonderlich viel. Und lieber Reisen, als Klamotte.

Hast Du Lieblingslabels? Jan n June mag ich sehr und mein aktueller Lieblingspulli ist von Kuyichi

Unterscheidest Du zwischen Handy und Kamera Fotografie? Ja ganz klar. Auf Instagram ist fast alles mit dem IPhone fotografiert. Wenn ich durch die Stadt laufe, trage ich keine Kamera mit mir rum. Aber bei starken Motivkontrasten oder bei starkem Gegenlicht, da funktioniert es nicht immer. Unschärfe oder Nähe zum Betrachter geht mit meiner Kamera auch besser. Das sind Welten. Vollformat ist eben was anderes als Handysensor. Aber trotzdem finde ich es erstaunlich, wie gut die Kameras in den Telefonen funktionieren.

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